Marktkommentar August 2026
KI bleibt Treiber - Selektivität gewinnt an Bedeutung
- KI-Investitionen bleiben hoch – wirtschaftlicher Erfolg wird entscheidend
- Rotation verändert das Marktumfeld
- Geopolitik und Saisonalität erhöhen das Ruckschlagrisiko
Führende US-Technologieunternehmen werden weiterhin erhebliche Summen in künstliche Intelligenz investieren. Für ihre Börsenentwicklung wird jedoch zunehmend entscheidend sein, ob sich diese Ausgaben auch in höheren Umsätzen und Margen niederschlagen.
Der Ausbau der für künstliche Intelligenz erforderlichen Infrastruktur bleibt dabei ein wesentlicher Investitionstreiber. Halbleiterhersteller profitieren weiterhin unmittelbar von den hohen Ausgaben. Bei einigen Unternehmen waren die Erwartungen an das zukünftige Wachstum allerdings bereits sehr hoch. Die jüngsten Kursruckgange verstehen wir daher eher als Normalisierung der Bewertungen, denn als Ende des KI-Zyklus.
Gleichzeitig erwarten wir, dass sich die Wertschöpfung zunehmend auf weitere Unternehmen entlang der Lieferkette ausweitet. Neben den direkten Infrastrukturanbietern durften davon zukünftig vermehrt Unternehmen profitieren, die künstliche Intelligenz produktiv einsetzen. Diese Entwicklung konnte die nächste Phase des KI-Investitionszyklus prägen. Selektivität bleibt deshalb entscheidend.
Ein Risiko sehen wir im technologischen Wettbewerb mit China. Die jüngsten Fortschritte chinesischer Anbieter zeigen, wie schnell diese zu führenden westlichen Modellen aufschließen und vergleichbare Anwendungen günstiger betreiben können. Ausschlaggebend wird damit, welche Unternehmen ihre hohen KI-Investitionen in nachhaltiges Wachstum und steigende Gewinne umsetzen können.
Rotation betrifft den gesamten Aktienmarkt
Nach einem starken ersten Halbjahr hat sich die Dynamik an den Aktienmarkten verändert. Wahrend hoch bewertete US-Technologie- und Halbleiterwerte seit Mitte Mai konsolidieren, wird die Marktentwicklung zunehmend von anderen Sektoren getragen – insbesondere von Pharma- und Finanzwerten.
Diese Entwicklung werten wir grundsätzlich positiv. Ein Markt, der von mehreren Branchen getragen wird, steht auf einem stabileren Fundament als eine Rally, die von wenigen hoch bewerteten Unternehmen abhängt. Gleichzeitig zeigt die Rotation, dass allgemeine Wachstumserwartungen allein nicht mehr ausreichen. Gewinne, Cashflows und Bewertungen rucken wieder starker in den Vordergrund.
Geopolitik und Saisonalität als Risikofaktoren
Trotz des weiterhin konstruktiven Marktumfelds bleiben die Risiken erhöht. Insbesondere die Entwicklung der langfristigen US-Zinsen verdient Aufmerksamkeit. Nach dem jüngsten Entscheid der US-Notenbank sind die Renditen von US-Staatsanleihen weiter gestiegen. Ein zusätzlicher deutlicher Renditeanstieg konnte die Aktienmarkte belasten.
Auch die Lage im Nahen Osten bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Eine weitere Eskalation konnte sich auf die Energiepreise und die Inflationserwartungen auswirken.
Hinzu kommt, dass die Schwankungen an den Aktienmarkten zwischen August und Oktober erfahrungsgemäß zunehmen. Im laufenden Jahr sorgen zudem die US-Zwischenwahlen für zusätzliche Unsicherheit. Die derzeit geringe Nervosität an den Markten ist aus unserer Sicht daher eher ein Warnsignal als ein Grund zur Entwarnung.
Selektivität und Absicherung
Positives Gewinnmomentum und eine robuste Konjunktur sprechen mittelfristig weiterhin für Aktien. Je nach Risikoprofil empfehlen wir, an den unmittelbaren Profiteuren des KI-Trends festzuhalten. Die zu erwartende höhere Volatilität sollte zugleich für ein diszipliniertes Rebalancing genutzt werden, um die Balance im Portfolio zu wahren.
Als besonders gut positioniert sehen wir den Pharma- und Biotechnologiesektor. Einerseits profitiert er zunehmend vom Einsatz künstlicher Intelligenz in Forschung und Entwicklung. Gleichzeitig verfugt der Sektor über eine vergleichsweise defensive Ertragsbasis, falls sich die Dynamik der KI-Investitionen abschwächen sollte.
Beim Iran-Konflikt sehen wir weiterhin ein latentes Eskalationsrisiko. Dieses konnte nach den US-Zwischenwahlen zunehmen, da der innenpolitische Druck auf die US-Regierung, steigende Energiepreise möglichst zu vermeiden, tendenziell nachlasst. Vor diesem Hintergrund empfehlen wir weiterhin, ein Engagement in konventionellen Energieunternehmen als strategische Absicherung beizubehalten.
Insgesamt sprechen die fundamentalen Rahmenbedingungen weiterhin für Aktien. Angesichts höherer Bewertungen und zunehmender geopolitischer Unsicherheiten gewinnen jedoch Diversifikation, Selektivität und diszipliniertes Rebalancing an Bedeutung.






